Im Rahmen der Fintech Week Hamburg wird Frau Dr. Carolin Gabor beim Betabreakfast über aktuelle Entwicklungen in der Fintech-Branche berichten. Vorab hat sie uns in einem Gespräch erste Einblicke in ihre Tätigkeit bei Finleap und ihr Engagement bei den Fintech Ladies gegeben.

Fintech Week Hamburg: Frau Dr. Gabor, wie sind Sie in die Finanzwelt gestartet?

Carolin Gabor: Ich habe direkt nach dem Abitur ganz klassisch eine Banklehre gemacht. Danach habe ich zehn Jahre lang als Strategieberaterin bei der Boston Consulting Group gearbeitet.

Vor Ihrer Anstellung als Managing Director bei Finleap haben Sie die Digitalunternehmen toptarif.de und autohaus24.de zum Verkauf geführt. Was veranlasste Sie zum Wechsel?

Carolin GaborZum einen reizten mich die Fintech-Branche und das Arbeitsumfeld. Die Digitalindustrie ist dynamisch und in permanenter Veränderung. Gleichzeitig sind die beiden Branchen Banking und Insurance, die mich inhaltlich am stärksten interessieren, noch sehr weit weg von der Digitalisierung der alltäglichen Nutzung dieser Dienstleistungen. Diese Felder decken sich perfekt mit den Bereichen, in denen auch Finleap und seine Ventures aktiv sind. Fintech ist spannend, weil es eine der wenigen Branchen ist, in der wirklich innovative Geschäftsmodelle für echte Probleme entwickelt werden und Neues entsteht.

Zum anderen ist die Rolle, die mir bei Finleap angeboten wurde, fantastisch. Ich verantworte die Bereiche Growth und Venture Development, kümmere mich aus strategischer Sicht um das Portfolio und arbeite eng mit den Ventures zusammen. So habe ich Einblick in viele unterschiedliche Geschäftsmodelle und es bleibt immer spannend.

Finleap bezeichnet sich selbst als „Fabrik für Fintechs“. Wie genau ist die Arbeitsweise?

Zuerst analysieren wir den Markt, schauen, wo es noch an digitalen Lösungen in der Finanzwelt mangelt. Wenn die richtige Lösung für das Problem gefunden wurde, wird das Geschäftsmodell erarbeitet, bewertet und ein erster Prototyp gebaut. In dieser Phase suchen wir dann schon nach dem passenden Gründer-Team und/oder möglichen Kooperationspartnern für das Venture. Wenn alles passt, wird gebaut, gelauncht und iteriert bis wir zu einem optimalen Product-Market-Fit und somit zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell gelangen.

Woher kommen die Impulse für die Entstehung der mittlerweile neun in den Markt gebrachten Fintechs? Kommen Gründer auf Sie zu, möchten Banken und Versicherungen mit Ihnen kooperieren oder erfolgt der Anstoß eher intern?

Es gibt drei unterschiedliche Wege: Entweder stoßen wir auf ein Problem und bauen uns dann selbst eine Lösung. Das war zum Beispiel der Fall bei der solarisBank: Finleap brauchte eine Bank für die ersten Ventures, doch keine der alteingesessenen Finanzinstitute war zu diesem Zeitpunkt flexibel genug für unsere Anforderungen. Deshalb hat Finleap solarisBank gebaut, eine Tech-Plattform mit Vollbank-Lizenz. Der zweite Weg ist, dass Finanzmarktakteure auf uns zu kommen und gemeinsam ein Venture entwickeln wollen, wie zum Beispiel bei unserer Crowdinvesting-Plattform Zinsbaustein. Das ist ein Joint Venture mit dem Projektentwickler sontowski und partner, der die Immobilien, in die Anleger über die Webseite investieren können, sorgfältig prüft und auswählt. Der dritte Weg erfolgt über eine Marktanalyse.

FinleapMit der solarisBank verfügt Finleap jetzt über Vollbanklizenz. Was hat das für Auswirkungen auf Ihre Vorgehensweise?

Die solarisBank kann die technische Bank-Infrastruktur oder auch die Lizenz für unsere Fintech-Ventures stellen, jedoch ohne Exklusivitätsverpflichtung für beide Seiten. SolarisBank steht unabhängig von Finleap auch allen anderen Fintechs, Ecommerce- und Finanzplayern offen. Aktuelle kooperiert zum Beispiel unser Venture Savedo, ein Marktplatz für Festgeld in Europa, mit solaris. Auf der anderen Seite kooperiert solaris aber auch mit Cringel, autoscout24 und Kontist.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden für Start-ups im Bereich Fintech?

Die Liste ist lang für ein junges Unternehmen. Das fängt bei den regulatorischen Hürden an, über den Zugang zu Kunden, die Suche nach Top-Talenten aus Finanz- und Digital-Bereich, bis hin zu ausreichend Startkapital, um ein wirklich nachhaltiges Business aufbauen zu können. Bei all diesen Dingen hilft Finleap seinen Ventures aktiv.

Sie engagieren sich seit diesem Jahr bei den Fintech Ladies. Warum unterstützen Sie das von Christine Kiefer gegründete Frauennetzwerk?

So wie Finleap bereits jetzt Fintech-Ventures mit Banken und Versicherern zusammenbringt, wollen wir das auch mit den Fintech Ladies umsetzen. Wir bringen bei den Treffen tolle Frauen aus dem Finanzbereich mit tollen Frauen aus dem Fintech-Bereich zusammen. Dabei geht es um das Vernetzen, gegenseitige Unterstützen und voneinander Lernen. Am Ende sollen daraus fruchtbare Geschäftsbeziehungen entstehen.

Was unterscheidet die Fintech Ladies von anderen Frauennetzwerken?

Bei den Fintech Ladies gibt es einen Fokus auf die gemeinsame Industrie. Dadurch entstehen schneller Anknüpfungspunkte, ein gemeinsames Arbeiten und Lernen. Es geht nicht darum, rumzujammern und sich gegenseitig zu erzählen, wie schwer es Frauen haben, sondern um ein die wechselseitige Inspiration zwischen starken Frauen aus der Finanzbranche.

Was erwarten Sie von der Fintech Week Hamburg?

Ich freue mich besonders auf interessante Gespräche zwischen Gleichgesinnten aus der Fintech-Branche. Die Fintech Week bietet viele Gelegenheiten zum Austausch. Sie bringt durch unterschiedliche Formate wie Bankathon oder den Fintech Career Day alteingesessene Branchenkenner und Neueinsteiger zusammen — ein spannender Mix, von dem beide Seiten profitieren.

Wagen Sie bitte eine Prognose: Wie wird die Finanzwelt in fünf Jahren aussehen?

Meines Erachtens gibt es drei Phasen in der Fintech-Industrie. Die erste war eine Art „unbundling the bank”, sprich: Es gab viele Fintechs, die Dienstleistungen rund ums Banking angeboten haben, was die Banken nicht leisten konnten. Dadurch sind viele Nischenplayer entstanden, von denen einige schon wieder aufgegeben haben, andere haben überlebt. Die zweite Phase ist die, in der wir uns aktuell befinden: Es geht ums „Rebundling the bank”, also das Zusammenführen der Angebote. Das passiert zum einen bei den großen Fintech-Playern, wie zum Beispiel N26, zum anderen aber auch bei den Banken selbst, die durch Kooperationen die Fintechs zu sich holen. In der dritten Phase, in der Zukunft, wird es darum gehen, wer sich wirklich am Markt durchsetzt — und das wird meiner Meinung nach die Plattform mit dem besten Kundenzugang und der besten Technik-Lösung sein. Es wird mehr Tech-Plattformen geben, entweder angedockt an die Hausbank der Kunden oder unter eigener Marke, die Banking-Solutions aus einer Hand anbieten, ohne dass man 20 Fintech-Apps auf seinem Smartphone verwalten muss. Diese Tech-Plattformen werden intelligent nach Kundenbedarf Empfehlungen vorschlagen und das Angebot bündeln. Ganze Kundensegmente werden durch komplett digitale Player bedient werden, wie  zum Beispiel SME Banking. Banking wird digital, übersichtlich, aus einer Hand.


Das betabreakfast mit Carolin Gabor ist leider ausgebucht, aber vielleicht könnt ihr sie im Anschluss noch erwischen – um 11 Uhr beginnt die Fintech Job-Messe im gleichen Raum. Eine Anmeldung hierfür ist nicht erforderlich. Am Fintech Career Day gibt es auch noch mehr von Finleap: Schaut einfach mal ins Programm und meldet euch kostenlos an!

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