Christine Kiefer war am Aufbau mehrerer Startups beteiligt, darunter die Fintechs BillPay und Pair Finance.  Trefft die Gründerin der Fintech Ladies am 9.11. bei „Fintech Stories“. Wir haben schon einmal nachgefragt, was für den beruflichen Ein- und Aufstieg im Fintech-Bereich wichtig ist.  

Es gibt viele Branchen, die auf den ersten Blick einfacher und griffig

er erscheinen als Finanzen, z.B. Food-Startups. Wen zieht es aktuell beruflich in die Fintech-Startup-Szene und warum?

Am Teilnehmerkreis von Fintech Konferenzen und auch an den Zuschriften, die wir bei den Fintech Ladies bekommen, kann man sehen, dass viele 

Christine Kiefer

Christine Kiefer, Fintech Ladies Deutschland

 

Fintech-Interessierte aus dem klassischen Bankwesen kommen. Sie sehen, dass es für Banken immer schwerer wird, Geld zu verdienen und dass Systeme und Prozesse veraltet sind. Sie haben Lust, das Finanzwesen neu zu gestalten.

Bei Programmierern sehe ich häufig, dass sie Lust darauf haben, an komplexeren Themen mitzuwirken, und gerade die neuen Felder KI und Machine Learning ziehen viele an.

Während viele Startups mit ihrem Geschäftsmodell eine Nische besetzen, eine bestimmte Marke positionieren wollen oder bestimmte Vorlieben bedienen, so betrifft der Finanz-Bereich jeden – der Arbeitsauftrag ist also ein viel größerer. Grundlegend verändern zu können, wie Menschen beim Online Shopping bezahlen, war für mich eine große Motivation.

Unsere Großeltern dachten noch, dass ein Job bei einer Bank das Sicherste der Welt wäre. Momentan hat man eher das Gefühl, die Zukunft liegt bei den Fintechs. Stimmt das? Wie würdest du die langfristigen Perspektiven für Jobsuchende einschätzen, die mit einem Job im Fintech-Markt liebäugeln? 

Wo ist der Fintech-Job, der zu mir passt?

Unsere Großeltern haben leider nicht mehr Recht. Ich schätze einen Job in einer Bank heutzutage als äußerst unsicher ein, weil es gerade dort enorme Potenziale für Automatisierung gibt, Banken effizienter werden müssen und dies zum Beisoiel ein Filialsterben mit sich bringt. Ein Job in einem Fintech ist sicherlich zukunftsträchtiger, aber: Von Job-Sicherheit kann man im Startup-Umfeld natürlich nicht sprechen. Da kommt es schon stark auf die individuelle Rolle an und ob die Fähigkeiten, die man mitbringt, besonders sind. 

Bei Fintech-Unternehmen trifft Startup-Denken auf komplexe Themen wie Bank-/Versicherungswesen und Regulatorik. Was bedeutet das für Bewerber*innen, die sich für Fintech-Startups interessieren?

Solche Kandidat*innen müssen startup-kompatibel sein, also aktuelle Trends kennen, neueste Technologien beherrschen, aber gleichzeitig die Fähigkeit haben, sich in einem „gesetzen“ Umfeld bewegen zu können – sei es weil die Kunden oder Kooperationspartner aus dem klassischen Umfeld kommen, oder weil es die Regulatorik verlangt. Akkurates, sorgfältiges Arbeiten und Präzision sind bei Fintechs besonders wichtig.

Sind Bewerber*innen mit Bankausbildung oder –erfahrung automatisch im Vorteil, oder ist es wichtiger, Startup-Erfahrung mitzubringen?

Generell würde ich nicht sagen, dass Bewerber*innen mit Bankausbildung oder –erfahrung automatisch im Vorteil sind, das kommt wirklich auf die Rolle an. Grundsätzlich muss das Team gemischt aufgestellt sein, also Mitarbeiter haben mit Erfahrung. Aber gute Programmierer oder gute Produktmanager brauchen nicht notwendigerweise Erfahrung, hier hilft es oft, wenn jemand unbelastet und mit frischen Ideen daherkommt! Unerlässlich ist Erfahrung jedoch im Umgang mit Kunden und Partnern, hier würde ich immer eine Salesperson mit Erfahrung bevorzugen. Auch im Legal Bereich ist Erfahrung extrem wichtig.

Wer sich für eine Aufgabe bei einem Fintech-Startup interessiert, möchte bei einem Unternehmen landen, das Zukunftspotenzial hat, und nicht in drei Monaten wieder auf der Straße stehen. Welche Technologien oder Trends siehst du hier als besonders vielversprechend an?

Am spannendsten finde ich im Moment Startups, deren Geschäftsmodell Blockchain-Technologien nutzt. Unabhängig vom Erfolg einzelner Kryptowährungen sehe ich hier das meiste Zukunftspotenzial. Aber ob hier wirklich Startups oder eher die Corporates mit den besseren Anwendungen aufwarten, bleibt abzuwarten. 

An Unternehmen wie N26 kann man beobachten, wie stark das Fintech-Geschäft europäisiert und internationalisiert wird. Was bedeutet das für Jobsuchende, die jetzt in den Markt einsteigen möchten?

Die Bedingungen im Fintech Bereich sind besser denn je,in einem anderen Land zu arbeiten! Gerade vor dem Hintergrund der Internationalisierung sind Bewerber, die im Ausland gelebt haben und mit dem Finanzwesen anderer Länder vertraut sind, klar im Vorteil. Allerdings ist die Auslandsexpansion oft sehr schwierig wegen der unterschiedlich regulierten Rechtssysteme, selbst innerhalb der EU. Daher muss man sagen, dass sich nicht jedes Geschäftsmodell gleich gut eignet für die Internationalisierung. N26 oder Revolut sind Positivbeispiele, bei denen Internationalisierung gut funktioniert. Im Paymentbereich ist dies schon etwas schwieriger, und beim Inkassomarkt ist eine Internationalsierung sehr kompliziert, wie wir bei Pair Finance gesehen haben.


Christine Kiefer ist Botschafterin der Fintech Week Hamburg 2017 und leitet im Rahmen der Veranstaltungswoche „Fintech Stories“, eine Veranstaltung, bei der Frauen aus unterschiedlichsten Bereichen der Fintech-Szene über ihren Einstieg berichten: 

Fintech Stories
Donnerstag, 9. November 2017, 14:00 – 16:00 Uhr im betahaus Hamburg

 

 

 

 

 

 

 

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