Martin Schupeta war Banker, bevor er 2013 dem Wunsch nach etwas Eigenem folgte und zusammen mit Natalie Warneke eine Craftbier-Marke entwickelte, lange bevor edle Hopfenkreationen zum Trend wurden. „von Freude“ wird heute in ganz Hamburg getrunken – und auf der Fintech Week Hamburg. Ein Interview über Neuorientierung und die Zukunft der Finanzbranche.

Sprechen wir erst über dein Leben vor „von Freude“. Bei welchen Banken hast du gearbeitet?

Meine Banklehre habe ich bei der Deutsch-Südamerikanischen Bank gemacht, später hieß sie dann Dresdner Bank Lateinamerika, und dort habe ich auch einige Jahre gearbeitet. Nach meinem Studium bin ich dann als Trainee bei der HSBC eingestiegen und war dort einige Jahre im Corporate Banking tätig, in der Finanzierung von großen mittelständischen Unternehmen. Zuletzt habe ich hier in Hamburg bei der Berenberg Bank gearbeitet, in der Strategieentwicklung.

Was hat dir den Impuls gegeben, in eine komplett andere Branche
einzusteigen?

Ich habe mich in der Bankbranche immer wohlgefühlt, besonders die komplexe Vielfalt der zur Verfügung stehenden Sicherungs- und Finanzinstrumente sowie die Zusammenarbeit mit spannenden nationalen und internationalen Unternehmen hat mich fasziniert. Ich habe viele Firmen aus unterschiedlichsten Branchen von innen gesehen. Und nach einigen Jahren drängte es mich einfach, etwas Eigenes aufzubauen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Craftbier in die Welt zu bringen? 2013 waren Gerstensaftkreationen jenseits von Pils und Weißbier noch überhaupt kein Thema.

Die Idee kam Natalie und mir, als wir einen Fernsehbeitrag über das Bierbrauen anschauten. Dabei wurde uns zum ersten Mal bewusst, wie viele Zusatzstoffe heute auch in Deutschland ins Bier gemischt werden und nicht deklariert werden müssen. Das hat uns ehrlich gesagt ziemlich entsetzt. Wir achten privat beim Essen auf gesunde und naturbelassene Lebensmittel, wir kochen leidenschaftlich gerne. Und so fingen wir an, uns mit Heimbrauen zu beschäftigen, frei nach dem Motto: „Das probieren wir mal aus!“

„Von Freude“ – das könnte auch ein Zitat aus einem Gedicht sein. Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Eine schöne Assoziation! Uns war es erst einmal wichtig, dass der Name keine Umlaute enthält. Da ich viele Jahre mit Unternehmen in Lateinamerika gearbeitet haben, war mir klar: Das ist wichtig, wenn wir die Marke auch international vertreiben wollen. Ansonsten sind wir bei der Namenssuche zunächst ganz analytisch vorgegangen: Wir haben Liste um Liste geschrieben, bis der richtige Name hängenblieb. Entstanden ist ein Name, der für uns die zwei Seiten der Braukunst ausdrückt: Die Freude an der Kreation neuer Sorten, aber auch die Freude am Genuss des Bieres.

Ab wann war klar, dass eure Idee ins Laufen kommen würde?

Wir haben von Anfang an viel Vertrauen in den Erfolg unseres Craftbeer-Projekts gehabt, auch weil man am Beispiel USA schon sehen konnte, dass es dafür einen Markt gibt. Für uns war klar, der deutsche Biermarkt ist langweilig geworden, das Craftbeer ist im Kommen! Das sahen die großen Brauereien in Deutschland aber ganz anders. Anfangs wurden wir von denen belächelt, die sich heute bemühen, den Anschluß nicht zu verlieren.

Hier drängt sich ja fast der Vergleich mit dem Fintech- und Bankenmarkt auf…Wie nimmst du die aktuellen Entwicklungen dort wahr?

Mich hat das Interesse an der Branche und ihrer Weiterentwicklung nie losgelassen, aber ich habe schon während meiner Zeit dort gespürt, dass viele Dinge in der Branche sehr lange brauchen, um voranzukommen. Das liegt daran, dass das Bankgeschäft in vielen Bereichen auch ohne Innovation sehr rentabel war und zum Teil noch ist. Geradein der Unternehmensfinanzierung und im internationalen B2B-Zahlungsverkehr werden große Summen bewegt. Häufig ist der eigentliche Vorgang nicht komplizierter als das Versenden einer e-mail. So sind zum Beispiel Finanzvorstände im gehobenen Mittelstand nach wie vor bereit, für die gefühlte Sicherheit, die ihnen die Abwicklung des Geschäfts mit einem etablierten Bankpartner bietet, mehr zu bezahlen als bei einem innovativen Startup, das vielleicht einen ähnlichen Service anbieten könnte. Dies wandelt sich gerade, und hier sehe ich Aufgabe und Chance der neu entstehenden Dienstleister, sich zu etablieren.

Auf der Fintech Week Hamburg sind bereits viele Gäste mit „Von Freude“-Bier gesichtet worden. Auch du selber hast gesagt, dass du einige Veranstaltungen besuchen wirst. Welche?
Ich habe schon einige spannende Veranstaltungen besucht und habe jetzt noch zwei Events auf dem Zettel: „Der Milliarden-Steuerraub“ mit dem Journalisten Christian Salewski und Felix Rohrbeck und das Startup Weekend Hamburg Fintech.  


HINWEIS: „von Freude“ könnt ihr u.a. beim Fin ’n‘ Tonic am Donnerstag-Abend probieren. Meldet euch schnell noch an!  

 

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